Als Niki Adams von Legal Action for Women in Londn und ich Mumia Abu-Jamal vor einigen Monaten im Gefängnis besuchten, kannten wir nur seinen Ruf: ein ehemaliger Black Panther, der ein Kämpfer für die Bewegung geblieben ist, obwohl er 1981 zum politischen Gefangenen gemacht wurde und seit 1983 in der Todeszelle einsitzt. Wir konnten es nicht zu einem persönlichen Besuch machen mit Geschenken: Essen, Bücher, Videos, Fotos, Rasierwasser – wir durften ihm nichts mitbringen. Eine kleine Einschränkung, die einen aber wütend macht. Die Glastrennwand zwischen ihm und uns konnte nicht verbergen, daß wir einen gutaussehenden Mann mit einem gewinnenden Lächeln, der Leib und Seele zusammengehalten hat, vor uns hatten. Es war schon klar bevor wir angefangen hatten, miteinander zu sprechen, daß er sich geistig und körperlich fit gehalten hat. Und wie haben wir geredet, ohne Unterbrechung, ohne daß uns der Gesprächsstoff ausging. Die drei Stunden, die wir miteinander hatten, waren viel zu kurz. Außerdem kündigen sie das Ende der Besuchszeit eine halbe Stunde vorher an und dann kämpft frau gegen die Verzweiflung über die nahende Abreise und versucht die Besuchszeit auszunutzen und nicht dreißig Minuten auf einen langen Abschied zu verschwenden. Mumia ist voller Energie. Ich kann mir nicht vorstellen, wie er das geschafft hat. Zuerst die körperlichen Faktoren. Das Essen ist schlecht und wird weniger und weniger. Irgendwie müssen die privatisierten Gefängnisse ja Gewinn machen. Er hatte Gesundheitsprobleme aber hat hauptsächlich alternative Kräutermedizin usw. benutzt und hat dem Staat nicht erlaubt, ihm seine Medizin und Medikamente aufzuzwingen. Er darf zwei Stunden am Tag seine Zelle verlassen und in einen kleinen Bereich, wo er sich bewegen und trainieren kann. Das Problem ist, daß er “Gefängnisanwalt” wurde. Das heißt, er ist einer der Gefängnisinsassen, die gelernt haben, wie das Recht wirklich funktioniert. Andere Gefangene haben nur diese zwei Stunden, um von ihm Hilfe für ihre Fälle zu bekommen. Er versucht beides zu tun und hat es geschafft, fit zu bleiben, obwohl er 22 Stunden am Tag in der Zelle ist und die anderen zwei Stunden eine Rechtssprechstunde abhält. Das ist sein Zweitjob nach der Vollzeitarbeit, sich von der Verfolgung nicht unterkriegen zu lassen. Er schien politisch auf dem Laufenden zu sein, sowohl was die aktuellen Nachrichten als auch deren Hintergründe angeht. Wie hat er das gemacht? Er darf bis zu 7 Bücher auf einmal haben. Er hat ein geordnetes Archiv mit Ausschnitten aus den Veröffentlichungen, die durch seine Zelle gegangen sind. Er arbeitet weiterhin als Journalist unbezahlt für die Bewegung, eine der wenigen, die noch übrig sind. Er nimmt wöchentlich Dispatches from Death Row (Berichte aus dem Todestrakt) auf, Radiokommentare mit Noelle Hanrahan für Prison Radio (Gefängnisradio), die von 100 Stationen gesendet werden, und schreibt für andere Publikationen. Dies ist seine dritte “Karriere”. (Wir sind begeistert von seiner Unterstützungserklärung für den Streik 2004 und wollen mehr für dieses Jahr!) Die andere Frau in seinem politischen Leben ist Pam Africa from MOVE, die sich der Arbeit für Gerechtigkeit für Mumia widmet, in guten wie in schlechten Tagen, ob sein Anliegen in der politischen Szene modern ist oder nicht. Wir waren davon beeindruckt, wie er uns von den Ungerechtigkeiten, die er erleidet, wissen ließ, sachlich, zornig sogar, aber ohne zu viel Energie oder Emotionen auf Probleme, die nicht gleich gelöst werden können und einen davon ablenken können, mit dem Alltagsleben weiterzumachen, zu verschwenden. Zum Beispiel fragten wir ihn nach seiner Familie und ihren Besuchen und erfuhren, daß es damit ernste Probleme gibt. Zuallererst ist er ein Mann aus Philadelphia , der 5 Stunden von seiner Heimatstadt entfernt eingesperrt ist, mitten in der Pampa. Er hat ein Enkelkind, das er nie in seinen Armen gehalten hat. Wir hoffen, daß Legal Action for Women in den USA bei den Besuchsproblemen behilflich sein kann. (Mumia mag auch nicht über seine Gesundheitsprobleme zu sprechen. Die Homeopathin des weltweiten Frauenstreiks arbeitet zusammen mit anderen an diesen Problemen.) Er war begierig zu erfahren, was wir über das, was er über Frauen in den Panthers geschrieben hatte, dachten und hörte uns auch zu, wenn wir kritisch waren. Der Mann ist offen gegenüber dem, was andere denken. Ich weiß nicht, wie er diese Offenheit erreicht, wenn viele von uns draußen, die wir viel mehr Möglichkeiten haben, Ideen und Eindrücke auszutauschen, die Neigung haben , viel eingefahrener und weniger flexibel zu sein. Er wußte von und hielt viel von den Schriften von CLR James (mein verstorbener Mann) und er äußerte sich dazu, daß er Nellos Zurückweisung der Linken, insofern sie sich als die Spitze der Bewegung versteht, voll zustimmt. Als wir in letzter Minute weggingen, fiel es uns sehr schwer ihn zu verlassen. Es gab noch viel mehr zu sagen, viel mehr über ihn zu erfahren, und über diejenigen von uns, die in der Höhle des Löwen eingesperrt sind. Wir machten Pläne, zukünftig zusammenzuarbeiten, so daß wir die Arbeiterklasse drinnen besser in das , was wir sagen und tun, miteinbeziehen können. Immer mehr von uns sind in dem einen oder anderen Gefängnis, von Irak bis Pennsylvania. Zu fordern, daß Mumia endlich die Gelegenheit hat seine bis jetzt verschwiegene Geschichte in einem neuen Verfahren zu erzählen, ist dasselbe wie Gerechtigkeit für alle überall zu fordern. Mumia Abu Jamal: von der Gefängniszelle aus für die Bewegung arbeiten Urheberrecht Selma James, Weltweiter Frauenstreik Aus der nächsten Ausgabe von Kilombo (April – Juni 2005, Band 8, Ausgabe 1), die Publikation des African Liberation Support Campaign Network (London) |