Aufruf zu einem Frauentag beim Europäischen Sozialforum (ESF) 2004 in London

Call For a Women's Day at the European Social Forum 2004, London
Appel pour une Journée des femmes au Forum Social Européen 2004, Londres
Appello per una Giornata della Donna all’ESF 2004, Londra
Llamamiento para un Día de la Mujer en el Foro Social Europeo 2004, Londres

Liebe Schwestern und Brüder,

wie Ihr vielleicht wisst ist das nächste Europäische Sozialforum (ESF) vom 14. bis 17. Oktober geplant und wird in London stattfinden. Frühere ESForen fanden in Florenz (2002) und Paris (2003) statt und brachten 60.000 AktivistInnen der sozialen Bewegungen, der Gemeinden, der Gewerkschaften und andere Menschen aus ganz Europa und der Welt zusammen. Sie boten uns allen, die von unabhängigen Graswurzelnetzwerken kommen, eine gute Gelegenheit zusammenzukommen und uns – manche zum ersten Mal – zu treffen.

Beim ESF in Paris fand ein Frauentag statt, der einen Tag vor Beginn der Hauptveranstaltungen gehalten wurde und wir drängen auf eine ähnliche Veranstaltung beim diesjahrigen ESF.

Wir haben an Planungstreffen teilgenommen und haben uns auch sehr dafür eingesetzt, daß Leute, die ein geringes oder kein Einkommen haben, weniger Eintritt zahlen oder gratis teilnehmen können. Das gilt besonders für die Sans Papiers (Menschen ohne Papiere) und AsylwerberInnen. Auch für Gratistransport für Leute mit Behinderungen und fuer alle zugaengliche Veranstaltungen haben wir plädiert; dafür, daß Gruppen, die es sich nicht leisten können, keine Teilnahmegebühr zahlen müssen, und generell dafür, daß die Menschen, die am meisten diskriminiert werden, wie Farbige, Menschen mit Behinderung, alleinerziehende Mütter, sichtbar sind; und vieles mehr.

Ein Teil dieser Arbeit war auch, daß wir seit Januar einen Vorschlag für einen Frauentag beim Forum verteilt haben und wir wollten Sie und/oder Ihre Organisation fragen, ob sie diese Forderung unterstützen wollen um den wachsenden Druck noch zu verstärken, der einen Frauentag in London mit der weitest möglichen Teilnahme sicherstellen würde (Unterschriften gemischter Organisationen und einzelner Männer sind willkommen).

Wir heißen auch jegliche Informationen/Ideen/Vorschläge herzlich willkommen, die Sie vielleicht haben. Wir sind in unserem Frauenzentrum mit Frauen und Männern zusammengekommen und würden gerne von Ihnen hören, ob Sie am ESF teilgenommen haben oder nicht. Sie sind herzlich eingeladen, diesen Vorschlag in Ihrem Netzwerk und/oder bei Ihren Treffen und Veranstaltungen zu verbreiten.

Für weitere Informationen darüber, was unternommen wird, damit das ESF zugänglich und verantwortungsvoll wird:

www.esf2004.net und www.indymedia.org.uk
Global Women’s Strike: www.globalwomenstrike.net

Wir freuen uns von Ihnen zu hören.

Kraft den Schwestern um die Welt anzuhalten und sie zu ändern.

Sara Callaway und Anna T, Global Women’s Strike

Aufruf zu einem Frauentag beim Europäischen Sozialforum (ESF) 2004 in London

Die Programmgruppe in London hat uns gebeten, einen schriftlichen Vorschlag für einen Frauentag, eine UK- und eine Europa-Versammlung zu verfassen. Unser Vorschlag schließt an das an, was im vorigen Jahr beim ESF in Paris im November 2003 erreicht worden war, wo ein Frauentag einen Tag vor Beginn der Hauptveranstaltungen stattfand. Über 3000 Frauen und etwa 800 Männer nahmen teil (Männer nicht als Sprecher). Eine weit größere Anzahl von Frauen kam deshalb zur Hauptveranstaltung, und Frauen von Graswurzelbewegungen wurden gesehen und gehört! Sans Papieres (Frauen ohne Papiere) und andere farbige Frauen, konnten auf das abschließende Plenum Einfluß nehmen, weil sie am Frauentag zusammengekommen waren.

Warum wir einen Frauentag brauchen:

  • Ohne einen Frauentag würde Sexismus und für diejenigen unter uns, die farbige Frauen sind, Rassismus die Sichtbarkeit von Frauen, unserer Bedürfnisse, Forderungen und Sorgen verhindern. Frauen in fast allen sozialen Sektoren arbeiten schwerer für weniger Lohn – wir verrichten zwei Drittel der Arbeit in der Welt, für 5% des Einkommens und 1% der Güter. Vom Stillen, über Kindererziehung bis hin zur Pflegearbeit für die unter uns, die krank, alt oder behindert sind, erhält unsere Arbeit, die meist unbezahlt ist, Leben und die Gemeinden. Unsere bezahlten Jobs sind meistens die schlechtest bezahlten und die mit den schlechtesten Bedingungen. Wir sind mit Vergewaltigung und anderer Gewalt konfrontiert weil unsere Leben nicht als wertvoll gesehen werden, nicht zählen. Wir führen of Bewegungen an, die eine Änderung der Situation anstreben (alle Umfragen zeigen, daß Frauen noch mehr gegen den Krieg sind, als Männer), aber unser täglicher Kampf um das Überleben unserer Gemeinden und für soziale Gerechtigkeit sind oft unsichtbar.
  • Sogar wenn Frauen Sprecherinnen sind, kommen bei vielen Foren und wichtigen Großveranstaltungen die Erfahrungen die Frauen machen nicht ans Licht. Ein Frauenforum würde nicht, wie manche behaupten, die Zahl der Teilnehmerinnen reduzieren, sondern würde Frauen der Basisbewegungen, die nicht parteipolitisch und von verschiedenster Herkunft und Erfahrung sind, eine Stimme verleihen. Ob das alleinerziehende Mütter sind, oder Frauen mit niedrigen Lohnen, die sich weigern an den Rand gedrängt zu werden; Asylwerberinnen, die für Arbeitsrecht und gegen Armut kämpfen; farbige Frauen und Immigrantinnen, die sich gegen rassistische Angriffe wehren; ältere Frauen, die gegen lächerlich geringe Pensionen kämpfen; Frauen mit Behinderungen, die die Heimhilfe verteidigen; Frauen und Mädchen, die Gerechtigkeit bei Vergewaltigung und anderer Gewalt verlangen; Sexarbeiterinnen, die gegen Kriminalisierung kämpfen; lesbische und heterosexuelle Frauen, von der Stadt oder vom Land, von verschiedensten Teilen der (Antikriegs-) Bewegung – alle hätten am Frauentag Platz, würden das Wissen über unsere Erfolge weiter verbreiten und die lebenswichtigen Verbindungen zwischen uns stärken, sowohl unter den Frauen als auch unter den Männern.

Einige der wichtigsten Punkte sind die gleiche Bezahlung von Frauen und Männern am Weltmarkt; Frauenantikriegsorganisation; die Verteidigung Haitis und der venezuelanischen Revolution, die die unbezahlte Arbeit der Frauen als eine wirtschaftliche Tätigkeit anerkennt, die der Gesellschaft nützt und wertsteigernd ist, was die Frauen zu Sozialhilfe berechtigt. Das sind nur einige der vielen Probleme, die wir als Schwerpunkte dieser Veranstaltung erwarten würden.

Wir sind täglich mit Frauen und Männern in Kontakt, die sich sowohl als gemischte als auch als Frauengruppen organisieren, in Schottland, Nord-und Südengland, Wales, in ganz Europa und international, die alle die Forderung nach einem Frauentag unterstützen.

Mit erweiterter Teilnahme haben Droits Devants, eine Organisation von Flüchtlingen und Anderen in Paris, erfolgreich dafür gekämpft, daß Sans Papiers/es sicher einreisen konnten, nachdem sie auf dem Weg nach Paris zum ESF 2003 an der Grenze aufgehalten worden waren. Wir müssen Droits Devants dringend darum bitten, uns zu sagen, wie sie das erreicht haben, damit wir für Sans Papiers/es, die am ESF in London teilnehmen wollen, dieselben Rechte sichern können.

Wir können außerdem Videoverbindungen herstellen, um AktivistInnen, die nicht nach London reisen können, die Teilnahme am Forum zu ermöglichen.

Antragsteller:

Sara Callaway und Anna T (England)
Maggie Ronayne (Irland)
Sara Williams (Spain) Global Women’s Strike
Ruth Luschnat, Frauenforum Berlin (Germany)

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