31. Januar 2004: Europäischer Aktionstag für die Rechte von AsylbewerberInnen, Sans-Papiers und MigrantInnen

Liebe Schwestern, Brüder und FreundInnen,

seit mehreren Monaten arbeiten eine Reihe von migrantischen Organisationen und UnterstützerInnengruppen an einem Netzwerk gegen die „Festung Europa“. Aufgrund der Initiative von Droits Devant, einer Pariser Gruppe, trafen wir uns kürzlich mit einigen VertreterInnen dieser Gruppen. Wir stimmten zu, mit ihnen einen gemeinsamen Aktionstag am 31. Januar 2004 zur Verteidigung der Menschenrechten aller „Sans Papiers“ (Menschen ohne Papiere) MigrantInnen und AsylbewerberInnen, denen die Rechte auf Aufenthalt, Unterkunft, Arbeitsgenehmigung, Zugang zur Gesundheitsversorgung, Sozialhilfe etc. verwehrt werden.

Bislang sind Aktionen in Belgien, Frankreich, Deutschland, Irland, Italien, Spanien, der Schweiz und England geplant – möglicherweise hast du bereits von anderen Gruppen davon gehört. Unser Ziel ist dabei auf die Situation derer aufmerksam zu machen, die durch den Umstand, dass sie Asyl begehren oder MigrantInnen sind, in Armut und Not leben und den Kampf, den wir für die Menschenrechte führen, sichtbar zu machen.

In unserem Netzwerk sind viele Asylbewerberinnen, die obdachlos sind und große Not leiden: Vergewaltigungsopfer, Schwangere, Mütter mit kleinen Kindern, Frauen, die aufgrund von Folter oftmals an schweren gesundheitlichen Problemen leiden, lesbische Frauen, Frauen, die kein Englisch sprechen etc. Festnahmen, erzwungne Abschiebungen und rassistische Übergriffe nehmen zu. Einige von uns werden zum Betteln oder in die Prostitution gezwungen, um uns selbst und unsere Familien zu ernähren. Auf diese Weise werden wir zusätzlich kriminalisiert. Wir wissen, dass in ganz Europa eine derartige Stimmung herrscht und sich auch andere dagegen wehren.

In einer Zeit, in der sogenannten Dritten Welt aufgrund des Einflusses der westlichen Ökonomie, militärischer Interessen und einer Einwanderungspolitik, die regelrecht faschistische Züge trägt, zunehmend Kriege ausbrechen und die Armutsrate steigt, wollen wir uns grenzuebergreifend zusammenschließen und gemeinsam ein Zeichen gegen Rassismus und alle anderen Formen von Diskriminierung setzen. Als ImmigrantInnen und AsylbewerberInnen und als EuropäerInnen schließen wir uns zusammen und fordern, dass der Westen seinen Verpflichtungen gegenüber der sogenannten Dritten Welt nachkommt. Wir wehren uns und staerken unsere Bewegungen zur Verteidigung unserer immer staerker bedrohten  Grundrechte. Wir wollen zeigen, wie viele von uns in Europa von dieser Rückkehr zu faschistischen Zuständen entsetzt sind, zu denen es aufgrund von Europas Gefolgschaft zu Bush’s US-amerikanischer Politik gekommen ist. Wir werden nicht zulassen, dass MigrantInnen zu den Sündenböcken für die Kürzungen bei den Zuwendungen und Beihilfen, Löhnen, Renten und bezüglich des Gesundheitssystems gemacht werden, die uns von den Kräften des Marktes aufgezwungen werden, denen unser aller Leben ueberhaupt nichts wert sind.

Unsere Aktion am 31. Januar wird die erste Aktion des Global Women’s Strike 2004 sein. Es ist eine Gelegenheit um auf die Situation und den Kampf von Asylbewerberinnen international aufmerksam zu machen, da diese am wenigsten wahrgenommen werden. Wir fordern mit diesem Streik, dass die Gesellschaft in „caring not killing“/“Fürsorge, nicht in Töten“ investiert – einer totalen Abkehr von den ökonomischen Vorgaben des Marktesund die zukünftige Umverteilung der Militärbudgets an die Gemeinden, vor allem an Frauen  die immer die sind, die die  Arbeitder Versorgung leisten. Frauen und Männer, die unsere Ziele unterstützen, organisieren sich  am 8. März, dem Internationalen Frauentag, in über 60 Ländern um Aktionen zu starten (siehe www.globalwomenstrike.net für mehr Information).

Hier eine erste Version unseres gemeinsamen Manifests und unserer Forderungen; die endgültige Fassung folgt.

Forderungen

  • Reisefreiheit und freie Wahl des Wohnortes
  • Die sofortige Schließung von allen Abschiebelagern in allen europäischen Ländern
  • Das sofortige Ende von allen Abschiebungen
  • Bürgerrechte und permanentes Wohnrecht für alle, in allen europäischen Ländern, inklusive dem Zugang zu demselben Gesundheitssystem, Sozialhilfe, Bildungssystem und allem, was andere Menschen auch benötigen
  • Die tatsächliche Umsetzung eines Rechts auf Asyl, inklusive der offiziellen Anerkennung von Vergewaltigung als Verfolgungsgrund und die offizielle Anerkennung aufgrund dessen Asyl beantragen zu können
  • Die Beendigung von Ausbeutung und neuen Formen von Sklaverei und dem Recht zu arbeiten, mit denselben Ansprüchen, die auch die anderen ArbeiterInnen in den jeweiligen Ländern haben
  • Bedingungslose Anerkennung (Bleiberecht) aller Menschen ohne Papiere
  • Das Recht der Kinder mit ihrer Familie zusammenzuleben, Zugang zu Schulen und dem Gesundheitssystem und die Beendigung der Abschiebung von Kindern und Jugendlichen, die allein und ohne weitere Familienangehoerige sind

Wir fordern zusaetzlich:

Sofortiger Zugang zu Ressourcen und andere Unterstuetzung fuer Frauen ohne Papiere, die fuer die Versorgung von Kindern und anderen zustaendig sind

Wir werden euch in Kürze weiteres über unsere Vorhaben wissen lassen. Bitte kontaktiert uns, wenn ihr daran interessiert seid, mitzumachen.

Women of Colour (Global Women’s Strike)
Crossroads Women’s Centre, 230A Kentish Town Road, London NW5 2AB
Tel: 0207 482 2496 Fax: 0207 209 4761  email:womenofcolour@allwomencount.net

Payday
PO Box 287 London NW6 5QU, Tel 0207 209 4751
Email payday@paydaynet.org web: www.refusingtokill.net                   20 January 2004

*As of 19 January, the Manifesto has been signed by:

Belgium (Ambassade Universelle, Collectif anti-expulsions…) France (Droits devant ! !, Confédération Paysanne,…) Germany (Kein Mensch Ist Illegal Hanau, Kein Mensch Ist Illegal Goettingen, The Voice, The Caravan …) Italy (Confédératione Cobas, Tavolo Migranti,…) Spain (Xarxa de Mobilitzacio Global, Federacio de Col’lectius d’Immigrantes a Catalunya, Papers per Tothom, Huelga Mundial de Mujeres…) Switzerland (Coordination Nationale des Sans-Papiers, Mouvement des Sans-Papiers,…) United Kingdom (No One Is Illegal UK, Barbed Wire Britain, Kent Campaign to Defend Asylum Seekers, Crossroads Coalition for Justice for Asylum Seekers, Global Women’s Strike, Payday…) 

To view the full Manifesto visit www.globalwomenstrike.net

To add the name of your organisation, contact Droits Devant!! at tarowen@hotmail.com

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