8 März 2004
Daher denken wir, dass es für uns alle wichtig ist, die revolutionären Prinzipien dieser bemerkenswerten Verfassung so schnell wie möglich in die Gesetzgebung einzubetten. In diesem Sinne unterbreiten wir Ihnen mit Respekt unsere Gedanken und Vorschläge zur Umsetzung von Artikel 88, der in Kürze in der Nationalversammlung im Zuge der Arbeit zu den sozialen Sicherungsgesetzen verhandelt wird, vor allem was den Unterpunkt der Renten/Pensionen angeht.
Dies ist die erste Verfassung der Welt, die Frauen, die nicht entlohnt werden, die zu Hause arbeiten als Arbeitskraft (Werktätige) anerkennt, die wirtschaftlichen und sozialen Reichtum bringenund daher Kompensation verdienen. In vielen Ländern haben Frauen jahrzehntelang genau dafür gekämpft. Während ihrer letzten Redetournee durch sechs US-amerikanische Städte (San Francisco, Los Angeles, Chicago, Washington DC, Philadelphia und New York), sprach Nora Castañeda, die auf Forderung der Frauenbewegung in Venezuela durch Präsident Chavez nominiert wurde eine Frauen-Entwicklungs-Bank (Banmujer) zu gründen und ihr vorzustehen, lange über Artikel 88. Sie erklärte, dass soziale Sicherheit, wie sie in Artikel 86 festgelegt ist, das Recht auf eine Rente, sowie Gesundheitsvorsorge, eine anständige Wohnung, Sicherheit in der Lebensmittelversorgung, eine fundierte Ausbildung und Schulungen für Arbeit und Selbstversorgung beinhaltet. Als sie all dies erwähnte, erhielt sie viele stehende Ovationen. Seit Jahren sagen viele von uns, dass alle Frauen Hausfrauen sind, da wir alle Hausarbeit erledigen, die auch Fürsorgearbeit ist. Diejenigen unter uns, die noch einem zweiten oder dritten Job nachgehen, müssen auch ihre Kinder stillen und erziehen, sich um die Kranken, Alten oder Behinderten kümmern (sogar wenn wir selbst behindert sind); die Nahrung anbauen, vor- und zubereiten, Nahrungsmittel, die Familien und ganze Kontinente ernährt (80% der in Afrika und der Karibik und über 60% der in Asien verbrauchten Nahrung, wird von Frauen angebaut, und in Lateinamerika arbeiten alleinstehende Mütter 14 bis 18 Stunden am Tag um ihre Familie 100% finanziell zu versorgen und sich um sie zu kümmern). Darüberhinaus arbeiten wir freiwillig und kaempfen dafuer, um das allgemeine Gesundheitssystem, das Bildungssystem und andere Menschenrechte zu bewahren und voranzubringen. Wir arbeiten in der sogenannten informellen Wirtschaft und in der Schattenwirtschaft als Haushaltshilfen, Näherinnen, Strassenverkäuferinnen, Sexarbeiterinnen. Auch unsere Arbeit in der offiziellen Wirtschaft ist oft Fürsorgearbeit: in Krankenhäusern und Schulen, als Reinigungskräfte, Kinderbetreuerinnen, persönliche Assistentinnen – Arbeiten, bei denen wir in der Bezahlung diskriminiert werden (sogar schlechtere Bezahlung und Arbeitsbedingungen als Männer, die dieselbe oder vergleichbare Niedriglohnarbeit verrichten), wo wir sowohl sexueller als auch rassistischer Belästigung ausgesetzt sind. Sogar in nicht-traditionellen Jobs erhalten wir von den Arbeitgebern Fürsorgeaufgaben. Wir tun all dies oftmals ohne unserem Bedürfnis nach Ruhe und Entspannung Rechnung zu tragen, sogar ohne uns freizunehmen wenn wir krank sind. Schon 1952 erhoben einige von uns unsere Stimmen, um den unbezahlten Beitrag von Frauen zum Sozialwesen deutlich zu machen. Unbezahlte Arbeit wurde 1975 in die internationale Agenda auf der Eröffnungskonferenz aufgenommen, die zum Beginn des Jahrzehnts der Frau der UN in Mexiko City gehalten wurde. Die zweite Konferenz 1980 in Kopenhagen, Dänemark, unterstrich diese Aussage noch mit den Zahlen (die in unseren Augen noch zurückhaltend sind), dass Frauen 2/3 der Arbeit auf der Welt erledigen, aber lediglich 5% des verfügbaren Vermögens besitzen. Bei der abschliessenden Konferenz zum UN Jahrzehnt der Frauen 1985 in Nairobi, bekamen wir dann Paragraph 120 dazu, der festhielt, dass die von Frauen zu Hause, auf dem Land und in der Gesellschaft erledigte Arbeit in der jeweiligen nationalen Statistik aufgenommen werden sollte. Schliesslich, 1995 in Peking, erreichte das Internationale Women Count Network (das von der Kampagne für Entlohnung fur Hausarbeit koordiniert wird) mit der Unterstützung von mehr als 2000 Organisationen weltweit die Entscheidung, dass das nationale Bruttosozialprodukt beinhalten sollte, wieviel ihrer Lebenszeit Frauen damit verbringen, unvergütete Arbeit zu leisten, und wieviel Mehrwert diese Arbeit schafft. Trinidad & Tobago und auch Spanien, haben dies als Gesetze eingebracht, andere Länder führen Zeitnutzungsstudien durch; und zunehmend wird unbezahlte Arbeit bei Gerichtsentscheidungen und Verwaltungsänderungen berücksichtigt. Es bedurfte einer Revolution für diese soziale und ökonomische Anerkennung, dass der Kampf einer internationalen Bewegung in eine nationale Verfassung übernommen wurde. Wie Frau Castañeda erklärte: "Wir wurden aufgefordert Vorschläge zu unterbreiten, und das taten wir. Die Frauen- und die indigene Bewegung demonstrierten jeden Tag während der vier Monate, die die verfassungsgebende Versammlung tagte, und wir bekamen, was wir wollten. Die Mitglieder der Versammlung, Frauen wie Männer erkannten die historische Bedeutung unseres Kampfes an." Wir wissen, dass viele wichtige Gesetze und Erlasse zur Stützung des Anti-Sexismus, -Rassismus und der Bewegung gegen alle anderen Arten der Diskriminierung erlassen wurden. Zum Beispiel:
Die Überlebensarbeit der Frauen ist vorwiegend nicht sichtbar, weil das Überleben an der Basis nie Prioritat des Kapitalismus war – man konnte immer andere Leute anderswo finden, um die zu ersetzen, die man vernichtet hatte. Das ist es, was wir vom Völkermord an indigenenVölkern und dem gewalttätigen Angriff der Sklaverei lernen koennen. Aber das Überleben und damit die Ausrottung der Armut sind unsere ersten Anliegen. Der Bürgerpräsident der Nationalversammlung, Präsident Chavez, hat bei vielen Gelegenheiten gesagt: "Der Markt darf nicht ueber die Welt herrschen, weil er das Ende der Welt androht. ." Damit der Markt nicht ueber die Welt herrscht, muss unser Überleben absolute Prioritat haben, nicht der Gewinn der Kapitalisten, und deshalb muss die Fürsorgearbeit, die wir leisten wirklich gewürdigt werden, denn ohne sie gibt es kein Überleben. Artikel 88, einer von 350 Artikeln, ist, wie Frau Castañeda sagte, "der revolutionärste Artikel", weil er die Überlebensarbeit der Frauen wertschätzt. Und diese Arbeit ist der Dreh- und Angelpunkt jeder Wirtschaft, eine Tatsache, ueber die der Kapitalismus erfolgreich hinweggetäuscht hat. Weiters beginnt die Verfassung durch Anerkennung der unbezahlten Fürsorgearbeit, die Frauen leisten, die auf der Welt – ob von Frauen oder Männern – am häufigsten geleistete Arbeit zu würdigen, die nicht gewürdigt wurde und oft im Verborgenen blieb, da sie ausserhalb der Marktwirtschaft geleistet wird. Sobald Frauen Anspruch auf soziale Sicherungen als Hausarbeiter haben, verhandeln wir aus einer stärkeren Position für bessere Gehälter und Arbeitsbedingungen, wenn wir Jobs ausserhalb des Hauses annehmen. Wir werden ausserdem darin bekräftigt, Gewalt zu Hause zurückzuweisen und darauf bestehen zu können, dass unsere Partner die Fürsorgearbeit die wir leisten, respektieren und mehr Verantwortung dafür übernehmen. Gedanken und Vorschläge zu Artikel 88 Es ist wichtig, dass die Gesetze, die Artikel 88 umsetzen, Hausfrauen als Arbeiter anerkennen, die ein Anrecht auf soziale Sicherung wegen der Arbeit, die sie leisten und nicht aus irgendwelchen anderen Gründen haben. Es ist ausschlaggebend dass Hausfrauen nicht, wie das in anderen Ländern passiert, als Leute "in ungeschützter Situation" klassifiziert werden, die Schutz brauchen, was Hausfrauen auf politisch konservative Weise kategorisiert, um ihre soziale Sicherung zu rechtfertigen. Arbeiter ja, mittellos nein. Frauen den Anspruch auf soziale Sicherung aus anderen Gründen als deren überwältigendem Beitrag zuzubilligen, würde den langfristigen Interessen aller Frauen weltweit entgegenstehen, die so hart für Artikel 88 gekämpft haben. Es liefe dem Ziel der Verfassung entgegen, die Schulden der Gesellschaft gegenüber Frauen anzuerkennen und eine Wirtschaft zu gründen, die menschliches Uberleben über Gewinne stellt. Es wäre furchtbar, wenn Frauen, die sehr hart dafür gearbeitet haben, die bolivarische Entwicklung voranzutreiben und seine Verfassung gegen Putsche und Verschwörungen zu verteidigen, und die die Mehrheit derer vertreten, die zusätzlich zu ihrer Fürsorgearbeit an gemeinschaftlichen Organisationen und Kooperativen fur Bildung, Gesundheitswesen und Landprogramme teilnehmen, , die Demütigung zu erteilen, als "mittellos" statt als Arbeiter angesehen zu werden! Venezolanische Frauen erzählten uns, sie seien stark and könnten jede Hürde überstehen, da sie "Mutter und Vater" für ihre Kinder sein mussten. Sie werden es nach all dieser erschöpfenden und herzzerreissenden Arbeit nicht akzeptieren, wieder in der Versenkung zu verschwinden. KeineR unter uns kann das zulassen. Die Ereignisse der letzten drei Jahre haben gezeigt, dass der revolutionäre Prozess von der prompten und zielgerichteten Aktion der Frauen an der Basis abhängt. Nichts wird die Entschlossenheit dieser Frauen, diesen Prozess fortzuführen mehr stärken als die Anerkennung ihrer Fürsorgearbeit. Nichts wird der Welt die einzigartige Fortschrittlichkeit dieser Verfassung und dieses Prozesses staerker beweisen, als dass die Nationalversammlung neue Gesetze erlässt, die Artikel 88 voll und ganz umsetzen. Wir sind uns natürlich bewusst, dass die venezolanische Wirtschaft vielleicht – derzeit – nicht die Mittel hat alle Frauen zu entschädigen, aber es gibt keinen Grund dafür, warum die Gesetzgebung nicht aussprechen sollte, dass alle Hausfrauen Arbeiter sind, die einen wertvollen und wesentlichen Beitrag zu Gesellschaft und Wirtschaft leisten und gleichzeitig jene entschädigen, deren finanzielle Not am groessten ist. Man könnte auch an eine Bezahlung, so gering sie auch sein mag, denken, die jeder Frau, die das erste Mal Mutter wird zusteht, als unmissverständliche Anerkennung dafür dass JEDE MUTTER EINE ARBEITENDE MUTTER IST. Danke für Ihre Aufmerksamkeit und Berücksichtigung Alle Macht den Schwestern und damit der bolivarischen Revolution. Global Women’s Strike (der weltweite Frauenstreik)
Für die
vollständige und ehrliche Umsetzung von Artikel 88 der Wir Frauen auf der ganzen Welt,die seit Jahrzehnten für die Anerkennung der Arbeit kämpfen, die durch Frauen zu Hause, auf dem Land und in der Gemeinschaft geleistet wird, gratulieren unseren Schwestern in der bolivarischen Republik von Venezuela, dass sie Artikel 88 in ihrer Verfassung durchgesetzt haben. Wie Präsident Hugo Chavez bei vielen Gelegenheiten sagte: "Der Markt kann nicht verantwortlich sein für die Welt, da er sie mit ihrem Ende bedroht." Die Arbeit die wir für unser Überleben leisten, ohne dass die Kapitalisten daraus Gewinn erzielen, findet ausserhalb der Marktwirtschaft statt. Wenn wir Menschen uns tatsächlich als oberste Priorität einsetzen, dann muss die Arbeit, die unser aller Überleben absichert wirklich höher bewertet werden. Es entspricht unserer Sicht der Dinge, dass indem man Hausfrauen als Arbeiter, die "zusätzliche Werte schaffen und zusätzlich soziale Sicherheit und Reichtum bringen", anerkennt, Artikel 88 der Schlüssel zur Schaffung "einer fürsorgenden Wirtschaft, einer Wirtschaft im Dienste des Menschen statt der Menschen im Dienste der Wirtschaft" ist. Er ist auch der Schlüssel zu Beendigung der Frauenarmut, da die meiste Arbeit, die von Frauen geleistet wird, nicht vergütet wird. Und da weltweit 70% der in Armut lebenden Bevölkerung Frauen sind, bedeutet das Ende der Frauenarmut einen zentralen Punkt in der heutigen Wirtschaft. Frauen und Männer, die den Wert fürsorgender Arbeit zum Überleben der Menschheit und unseres Planeten anerkennen, schauen auf Venezuela und die Umsetzung des Artikel 88 in der Hoffnung, dass dadurch fundamentale Änderungen in Richtung einer Wirtschaft vorangetrieben werden, die das Überleben vor den Profit setzt. Aus diesen Gründen bitten wir die Nationalversammlung respektvoll, wenn sie die Umsetzung von Artikel 88 diskutiert, folgendes ausdrücklich anzuerkennen:
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