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VERGEWALTIGUNG UND
ANDERE FOLTERARTEN IM IRAK Der derzeitige Aufschrei aufgrund der Folter irakischer Gefangenen durch amerikanische und britische Truppen im Irak wäre nie erfolgt, wenn die Fotos nicht veröffentlicht worden wären. Ihre Publikation und die daraus folgende Wirkung signalisieren, daß die größte Antikriegsbewegung, die die Welt jemals sah, einen tiefgreifenden Einfluß auf jede(n) besitzt. Die Regierungen der USA und Großbritanniens ignorierten sie, in der Hoffnung, daß sie unterginge, was nie geschah. Es war diese Bewegung, die diese Bilder auf unsere Bildschirme und Titelseiten auf der ganzen Welt brachte. Wie immer erklärten die Regierungen, daß die Zurschaustellung ihrer Aktionen verantwortungslos sei, aber ohne diese Fotos, wäre uns diese Folter und das Töten, während eines Jahres dokumentiert, nicht zugänglich gemacht worden: die Voraussetzung dafür, dies zu beenden. Auf die gleiche Weise zeigte uns die Bewegung gegen den Vietnamkrieg die tragische Fotografie des durch US-Napalm brennenden Mädchens, bis heute als Wendepunkt zur Beendigung dieses Krieges angeführt. 1.. VON DER GESCHICHTE UNBEACHTET – DER EINFLUSS VON KRIEG UND BESETZUNG AUF FRAUEN UND MÄDCHEN Trotz der Tatsache, daß Frauen sich noch heftiger gegen den Krieg stellen als Männer ( bestätigt durch unsere Erfahrung und jegliche Umfrage), werden die Auswirkungen auf Frauen und Mädchen von Krieg und Besetzung, die Folter an weiblichen Gefangenen eingeschlossen, kaum angesprochen. Es ist uns bekannt, daß es Tausende Fotos gibt, viele davon von Vergewaltigungen der Frauen (siehe die Erklärung von Black Women’s Rape Action Project (Vergewaltigungsaktionsprojekt schwarzer Frauen) und Women Against Rape (Frauen gegen Vergewaltigung)). Es wurde genauso bekannt, daß die meisten der Tausende von Menschen, Kinder eingeschlossen, willkürlich im Irak herausgegriffen, monatelang gefangengehalten wurden, meistens grundlos, ohne daß ihre Familien über ihr Verbleiben informiert wurden. Mütter, stets die ersten Sorgetragenden in allen Gemeinschaften, und anderen Verwandten bleibt nur der mühsame Weg in der Hitze von Gefängnis zu Gefängnis, auf der Suche nach ihren Liebsten – eine andere Art der Folter, für eine Diktatur charakteristisch. Offensichtlich ohne Garantie, daß niemand in diesem Prozess verschwindet. Die hinter diesen Greueltaten stehenden ökonomischen Interessen werden kaum genannt; ihre Auswirkungen auf Frauen werden völlig verdeckt. Die Privatisierung von allem, von Öl bis Wasser, Elektrizität, usw., auferlegt durch die USA unmittelbar nach der Besetzung des Iraks, übertrug eine nie dagewesene Macht auf die Arbeitgeber. Paul Bremer verbot alle Gewerkschaften und fixierte die Löhne im öffentlichen Bereich auf 40$, weniger als die Hälfte des empfohlenen Monatslohns in Ausbeuterbetrieben im benachbarten Iran. Im Elektrizitätswerk Najebeeya in Basra, wo Frauen 10% der Arbeitskräfte stellen, „wurde der Kindergarten einem Freund des Chefs übergeben, der diesen in ein zweites Zuhause für sich selbst umwandelte, die arbeitenden Mütter somit mit Ihren Kindern am Rockzipfel hängend arbeiten lassend". Natürlich gibt es auch nicht den gleichen Lohn, und Frauen erhalten 15-25$ weniger als Männer für die gleiche Arbeit. Das Gleiche passiert im von den USA besetzten Haiti, wo die USA Besitzer von Ausbeuterbetrieben und ihre Freunde wieder in Führungspositionen erhoben. Nach sieben Monaten unablässiger Organisation wurde die erste Konferenz der ArbeiterInnengewerkschaft und des ArbeiterInnenrats im Irak in Bagdad am 8. Dezember 2003 durchgeführt. Nach einer Diskussion wurden die Schlüsselaufgaben festgesetzt: eine Liste der unmittelbaren Arbeiterbegehren, ein Entwurf eines neuen irakischen Arbeitsgesetzes und die Hauptumrisse seiner Legislatur, wie auch die Wahl der Kommittemitglieder der Gewerkschaftsführung. Die Teilnehmer gründeten die Föderation der Arbeiterräte und Gewerkschaften im Irak – FWCUI. Innerhalb von zwei Tagen wurden ihre Büros von der US-Armee angegriffen und zerstört. Doch was ist mit Saddam Husseins InformantInnen? Frühere Frauengeheimdienstoffiziere, dieselben Menschen, die während Saddams „Treuekampagne" Listen verdächtiger „Prostituierten" ( oder WiderstandsaktivistInnen) an die Sicherheitskräfte übergaben, sind unter denen durch die Besetzung Umzuschulenden. Zu der Zeit wurden Hunderte von Frauen öffentlich geköpft oder außerhalb ihrer Heime gehängt. Was wird nun geschehen? Wir haben gelesen, dass 9-jährigen Mädchen, die vergewaltigt wurden, eine Krankenhausbehandlung versagt wurde, und dass in Basra unverschleierten Studentinnen der Zugang zur Universität verwehrt und sie sogar mit Steinen und Säuren angegriffen wurden. Überall haben Frauen das Recht, über unsere Schwestern und ihre Kinder im Irak und sonstwo Bescheid zu wissen, und zwar jetzt. 2.. DER ZUSAMMENHANG DER FOLTER IM IRAK – WAS DIE USA UND GB ANDERSWO TATEN Weit entfernt davon, die Ausnahme zu sein, müssen die von uns gesehenen Greueltaten in Zusammenhang damit gebracht werden, was die USA bekanntermaßen in Vietnam ( wo 3 Millionen Menschen inklusive mit Napalm und Splitterbomben getötet wurden) und überall in Lateinamerika taten ( wo sie Folterer und Paramilitär finanzierten und dirigierten, und es in Kolumbien auch jetzt noch machen, alle in der US-Folterschule ausgebildet, der berüchtigten Schule "School of the Americas"); den Streich, den sie führten gegen die demokratisch gewählte Regierung in Venezuela (2002); ( zusammen mit Frankreich) die derzeitige Besetzung Haitis; und die berüchtigte Guantanamo Bucht; und was die Briten im Irak taten , wo Churchill die Vergasung „unzivilisierter Stämme" anordnete; in Kenia während des Mau Mau, als Vergewaltigungen und andere Folterarten als Standard galten, und in neueren Zeiten, als Hunderte von Frauen durch britische Truppen über 30 Jahre lang vergewaltigt wurden, und in Zypern, wo die britische Armee aus einigen Gebieten verbannt wurde aufgrund ihrer Vergewaltigung und Ermordung einer Touristin und anderer Gewalttaten seither – um nur einige zu nennen. Doch nun zu Nordirland, wo, wie uns gesagt wurde, die Briten gelernt haben, „ sich zu benehmen"? Was muss über die Folter, Schießereien und andere Grausamkeiten, verübt seit 1969, insbesondere die Leibesvisitationen (und das gewaltsame Abtasten) der Frauen im Gefängnis Armagh durch männliche Wächter und Soldaten, gesagt werden? Es war eine Frauenbewegung nötig, um die Aufmerksamkeit auf die sexuellen Übergriffe zu richten und sie zu stoppen. Die Nachrichten vom Channel Four (GB) berichteten, daß mindestens 12.000 Menschen auf der ganzen Welt in US-Militärgefängnissen gefangen gehalten werden – in Ländern des Mittleren Ostens, Diego Garcia (gestohlen vom vertriebenen Tschagossia-Volk mit Hilfe der britischen Regierung), usw.(10.Mai). Wir wollen wissen, ob es irgendwelche Frauen unter ihnen gibt, warum sie festgehalten und unter welchen Bedingungen sie gefangengehalten werden, und ob ihre Familien benachrichtigt worden sind. Da die USA mit allen Mitteln Israels Besetzung Palästinas finanziert und unterstützt (in Israel ist Folter und Ermordung legal) , wollen wir genau so wissen, was mit den palästinensischen Frauen und Kindern in den Händen israelischer Truppen und Gefängniswärtern geschieht. Außerdem wüssten wir gern, welche Behandlung den Zivilisten, angefangen bei den Frauen und Kindern, in einem anderen besetzten Land, Haiti, widerfährt, wo bereits Tausende durch US-Truppen oder durch Gangster und Drogenbarone, die von ihnen an die macht gebracht wurden, in diesem gequälten Land getötet wurden. (Erinnern wir die Menschen daran, daß seit 200 Jahren, seit Haitis ArbeiterInnen, die damals SklavInnen waren, sich selbst durch die Vertreibung ihrer europäischen Beherrscher befreiten, Haiti eingefallen, besetzt, boykottiert und in jeder Weise verfolgt wurde durch die rassistische US-Regierung mit der Unterstützung der rassistischen französischen Regierung, deren Napoleon sein erstes Waterloo vor so vielen Jahren in Haiti vorfand). Wir wollen auch Auskunft über Kolumbien, wo eine US-finanzierte und ausgebildete Regierung und Paramilitär Tausende Zivilisten ermordet haben, viele Frauen eingeschlossen, aufgrund ihres Widerstandes gegen Gewalttätigkeit und Ausbeutung. Es ist uns bekannt, dass einige weibliche Abgeordnete des britischen Parlaments gegen den Krieg gestimmt haben, und sich einige durch ihren kompromisslosen Widerstand auszeichneten. Aber die Mehrheit hat zugestimmt. Wir wissen, dass lediglich eine Kongressfrau, Barbara Lee( eine schwarze Frau, die einen größtenteils schwarzen Wahlkreis repräsentiert – der Bevölkerungsteil, der sich am stärksten dem Krieg widersetzte) gegen die Invasion des Irak gestimmt hat. Tatsache ist, dass sie die einzige US-Gesetzvertreterin war, die dagegen gestimmt hat. 3.. ALLE DIEJENIGEN, DIE DIE US-FÜHRERSCHAFT AKZEPTIEREN, SIND MITVERANTWORTLICH
London, den 12.Mai 2004 |