3er weltumspannender Frauenstreik am 8. März 2002
Internationaler Frauentag

27 November 2001

Liebe Frauen,

Waehrend wir den 3. weltweiten Frauenstreik organisieren, geraet die Welt in noch groesseren Aufruhr. Wir trauern um - die Tausende, die ihr Leben in New York verloren und ebenso um die Millionen, die auf Grund der Politik der sogenannten full-spectrum-dominance ("volle Spektrum Dominanz") der USA, in anderen Worten der oekonomischen, politischen und militaerischen Vorherrschaft ueber die ganze Welt, immer noch sterben. Afghanistan ist nur das juengste Beispiel. An dem Tag, an dem ueber 3000 Menschen unterschiedlicher Nationalitaet in New York starben, starben wie an jedem anderen Tag ueber 35.000 Kinder an Unterernaehrung, auch in den USA.

Wir antworten darauf, indem Frauen sich ueberall auf der Welt in gemeinsamen Streikaktionen engagieren. Wir Frauen sind die primaeren Fuersorgerinnen der Welt.

Wir bringen neues Leben hervor, schuetzen und sorgen nicht nur fuer Menschen, sondern auch fuer alles andere Leben auf diesem Planeten. So ist es kein Wunder, dass wir immer die unbekannten Aktivistinnen waren, die Bewegungen gegen Ungerechtigkeit und Kriege ins Leben riefen.

Der weltweite Frauenstreik, eine Basisbewegung gegen die Globalisierung von Massenmord und Ausbeutung, geht direkt aus unserer lebensfoerdernden Arbeit hervor. In einigen Laendern haben wir seit dem Beginn von Amerikas „neuem Krieg" woechentliche Proteste abgehalten. Aufgrund unserer lebenserhaltenden Arbeit weisen wir der Bewegung die Richtung, die alle Voelkermorde stoppen kann: wir fordern ein Ende der obszoenen Militaerausgaben. Diese massiven Mittel muessen in Pflege, Ernaehrung, Gesundheitsversorgung, Bildung und Erziehung investiert werden. Das ist der Weg, um Kriege zu beenden und mit ihnen die Verherrlichung eines harten militaristischen Chauvinismus, dem auch einige Frauen im Namen der Gleichberechtigung nachfolgen. Es ist eine Katastrophe, dass nur die eine Haelfte der Menschheit zur Fuersorge erzogen wird, waehrend man die andere Haelfte lehrt, sie haette „Wichtigeres zu tun". Stattdessen muessen wir alle, Frauen und Maenner, lebensfoerdernde Arbeit in den Mittelpunkt stellen.

Kann irgendjemand leugnen, dass die Produktion der Lebenserhaltung, und nicht dem Toeten und dem Profit dienen sollte? Und doch werden jaehrlich mehr als 800 Milliarden Dollar fuer Waffen ausgegeben. Und noch mehr Geld wird fuer die Bombardierung von Laendern wie Afghanistan ausgegeben, wo die Menschen hungern, und fuer die Inhaftierung und Verfolgung aller, die dagegen protestieren. Die Anti-Globalisierungs- und die Friedensbewegung, zu denen Frauen so viel Arbeit und Energie beitragen, erkennen langsam, dass Investiert in Fuersorge und nicht in Toeten die effizienteste Perspektive fuer die Beendigung aller Kriege bietet.

Deshalb ist die zentrale Forderung des weltweiten Frauenstreiks:

Entlohnung fuer alle Haus-, Versorgungs- und Pflegearbeit – durch Loehne, Renten, eigenes Land oder andere Mittel. Was ist wertvoller als die Erziehung der Kinder und die Fuersorge fuer andere? In das Leben und in die Wohlfahrt muss investiert werden, nicht in Militaer und Gefaengnisse.

Diese Forderung etabliert unser Anrecht, auf das, was uns zusteht : Obwohl wir in jeder Gesellschaft die grundlegenden Arbeiten verrichten, zaehlt unser Beitrag nicht. Die anderen Forderungen betreffen spezifische Beduerfnisse und zeigen auf, wie die zentrale Forderung die Welt veraendern kann.

Ein Streik ist das effizienteste Mittel, das ArbeiterInnen haben,und Frauen, die weltweit zwei Drittel der gesamten Arbeit bewaeltigen, arbeiten am haertesten.Wenn wir die Arbeit niederlegen, steht alles still. Ihr seht auf unserer Webseite (oder in dem beigelegten Bericht fuer alle ohne Internetzugang), wie Frauen und Maedchen in ueber 60 Laendern, die ersten beiden internationalen Streiks zu einem Erfolgserlebnis gemacht haben, indem sie fuer einige Zeit ihre bezahlte oder unbezahlte Arbeit niedergelegt haben.

Frauen in Uganda fuehrten einen drei Tage andauernden Hungermarsch durch, um mit Frauen ueberall in der Welt zu demonstrieren und zu feiern. In Indien nahmen 5000 Dorffrauen an einem Sternmarsch zur Landeshaupstadt teil. In der Hauptstadt Perus brachten Hausangestellte Graswurzelorganisationen mit Bauern- und Industriegewerkschaften zusammen, waehrend indigene Frauen eine Versammlung in den Anden abhielten. Argentinische Hausfrauen taten sich zusammen und organisierten eine Demonstration in einem Buendnis von Frauenorganisationen. In Spanien versammelten sich Tausende auf Barcelonas zentralem Platz und eine nationale Gwerkschaft rief zu einem zweistuendigen Streik auf. In Guyana hielten Frauen afrikanischer, indigener und indischer Herkunft eine Mahnwache gegen die Ermordung von Frauen und Kindern. In Irland stellten Frauen Streikposten vor dem Landesfinanzamt auf, um das Geld zurueckzufordern, das Frauen geschuldet wird. In England zogen Frauen vor das Parlament. In den USA stellten einige Frauen die internationale Petition „ Gleicher Lohn fuer gleiche Arbeit – jetzt" der Oeffentlichkeit vor, waehrend sich andere der Demonstration der Justice for Janitors (Gerechtigkeit fuer HausmeisterInnen) anschlossen ...

Der Streik 2002 protestiert gegen die Verwuestung des Wohlstands, zu dem Frauen und Maedchen soviel, oft aus dem Nichts, beigetragen haben, durch die vielen Kriege auf dieser Welt. Wir protestieren dagegen, dass irgendeines der wertvollen Leben der Menschenleben, die alle von uns auf die Welt gebracht wurden, als „Kollateralschaden" abgetan werden kann. Wir schliessen uns den Verwandten und FreundInnen der Opfer von New York an, die zu jedweden Rachefeldzuegen und Kriegen sagen: „Nicht in unserem Namen".

Menschen ueberall erkennen, dass Regierungen fuer die Gier der Konzerne aber gegen uns arbeiten, waehrend sie in ihre eigenen Taschen wirtschaften. Wir sehen auch, dass die meisten Frauen in Machtpositionen sich wie Manner in Machtpositionen verhalten. Sie tragen dazu bei, anderen Frauen Strukturanpassungsprogramme und Kuerzungen von oeffentlichen Dienstleistungen und Beihilfen aufzuzwingen, uns zu verarmen und uns toedliche Ueberarbeitung aufzuerlegen. Ihnen ist es egal, dass die Kluft zwischen Frauen- und Mannerloehnen 25–50 % betraegt und weiter anwaechst, und dabei unsere Renten niederdrueckt und unsere gesellschaftliche Einfluss in jedem Lebensalter beschneidet.

Der Streik und seine Forderungen bilden zusammen einen einzigartigen Rahmen fuer uns Basisfrauen und –maedchen um darin unsere eigenen Forderungen zu stellen, die unserer spezifischen Situation entsprechen,unserer ethnischen Herkunft, Nationalitaet, Alter, Einkommen, Beschaeftigung, Faehigkeiten und Behinderungen, sexuellen Orientierung, ob wir in der Stadt leben oder auf dem Land, wie meisten von uns. Deshalb hoffen wir, dass ihr immer ALLE Forderungen auflistet, egal welche davon ihr besonders betont oder welche Ihr dazufuegt. Die Streikforderungen vereinen alle, die am Streik teilnehmen und verleihen jeder lokalen Aktion internationales Gewicht.

Es gab noch nie so viel Reichtum auf der Welt und gleichzeitig noch nie so viele, vor allem Frauen und Kinder, die nichts haben. In diesem entscheidenden Moment muessen wir Frauen dafuer sorgen, dass man unsere Stimme hoert und unsere kollektive Macht spuert.

Schwestern an die Macht

STOPPT DIE WELT UND VERAENDERT SIE!

Mami, was hast Du am Globalen Frauenstreiktag gemacht?
INVESTIERT IN FÜRSORGE UND NICHT IN TÖTEN

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