8. MÄRZ 2000, ERSTER WELTFRAUENSTREIK

SIE SIND WEDER WENIGE, NOCH VERRÜCKT.

FRAUEN IN 64 LÄNDERN STREIKEN!

Der Internationale Tag der Frau sah den ersten Welt-Frauenstreik, durch den ein kommendes Jahrtausend eingefordert wird, in dem die Arbeit und die Leben aller Frauen gewürdigt würden, sowie ein Ende unbezahlter und unterbezahlter, oder zu vieler Arbeit. Dies sind die Länder, die mitgemacht haben:

Albanien, Argentinien, Australien, Belgien, Bolivien, Brasilien, Burkina Faso, Kamerun, Kanada, Chile, Kolumbien, Costa Rica, Tschechien, El Salvador, Ecuador, England, Finnland, Frankreich, Deutschland, Ghana, Griechenland, Guatemala, Guyana, Hawaii, Honduras, Hong Kong, Ungarn, Indien, Irland, Israel, Italien, Japan, Korea, Kuwait, Kirgistan, Malawi, Makedonien, Mexiko, Marokko, Holland, Neuseeland, Nicaragua, Nigeria, Norwegen, Panama, Peru, Philippinen, Portugal, Puerto Rico, Rumänien, Russland, Ruanda, Senegal, Südafrika, Spanien, Schweden, Schweiz, Taiwan, Trinidad&Tobago, Türkei, Uganda, Uruguay, USA, Wales.

Zu dem Streik haben als erstes Frauen in Irland aufgerufen, um einen bezahlten Urlaubstag im Jahr zu fordern, in Anerkennung ihres enormen, aber größtenteils unbezahlten Beitrags zur Gesellschaft. Er wurde globalisiert durch die Internationale Kampagne für bezahlte Hausarbeit (International Wages for Housework Campaign, WFH), um gegen die 800 Milliarden $ zu protestieren, die alljährlich weltweit für Militär-Budgets ausgegeben werden, wenn nur 80 Milliarden $ ausreichen würden, um die Grundbedürfnisse aller zu finanzieren – Trinkwasser, Kanalisation, grundlegende Gesundheitsfürsorge, Nahrung, Ausbildung, und ein Minimaleinkommen. Die internationale Koordination des Streiks übernahm WFH London im Crossroads Frauenzentrum. Das Londoner Streikkommittee bestand aus Frauen vielfältiger ethnischer und nationaler Herkunft und unterschiedlichsten Alters.

In 64 Ländern machten Frauen Aktionen zu den Streikforderungen: Lohn für jede Art von Pflegearbeit, internationale Lohngleichheit, bezahlter Mutterschaftsurlaub und bezahlte Stillpausen, Streichung der Schulden der Drittweltländer, sauberes Wasser und nichtverschmutzende Technologien, Wohnungen und Transportmittel, die sowohl erschwinglich wie erreichbar sind, Schutz vor Gewalt im privaten wie im öffentlichen Raum. Die Frauen haben diese Forderungen auf ihre spezifischen Bedürfnisse angewandt und mit ihren eigenen, laufenden Kampagnen verbunden – zum Beispiel für Land, für Sozial-hilfegelder, für Renten, für andere Rechte. Wir geben im folgenden einige Beispiele für die Vielfalt der Aktionen, die Frauen aus unterschiedlichsten Hintergründen unternommen haben:

ARGENTINIEN – die Vereinigung der Hausfrauen in Santa Fe, die "Rente ohne Beitragszahlungen für Arbeiter ohne Löhne" fordert, veröffentlichte ein Stellenangebot, das die langen Arbeitsstunden, die vielen benötigten Fähigkeiten, den Mangel an Lohn und Urlaub für die Arbeit als Hausfrau beschrieb – sie erhielten 600 Rückrufe! Sie veranstalteten einen Tag der offenen Tür in ihrem Zentrum und schlugen denen, die nicht kommen konnten, vor, einen Besen vor ihre Türen zu stellen – ein Streiksymbol, das auch in anderen Ländern benutzt worden ist.

BURKINA FASO Frauen auf dem Land streikten für ein Recht auf "Existenz" und forderten Geld für Geburtsurkunden und Personalausweise.

CANADA – wütende Großmütter in Kingston sangen auf der Rathaustreppe und verteilten Rosen an Frauen, vor allem an alleinerziehende Mütter. Katholische Feministinnen in Toronto veranstalteten eine schweigende Mahnwache im Stadtzentrum, und Frauen in Vancouver verschickten zahlreiche Pressemitteilungen. Über alle Aktionen wurde ausführlich in den Medien berichtet.

ECUADOR – das einzige uns bekannte Land, dessen Verfassung Hausarbeit als produktive Arbeit anerkennt. Der Frauenrat sendete über alle größeren Radiostationen

Reime und Sinnsprüche über den Wert von Hausarbeit.

ENGLAND – In London riefen die Sexarbeiterinnen zum Streik auf. Maskiert marschierten sie durch Soho und forderten Gerechtigkeit. Sie protestieren gegen die zwangsweise Vertreibung aus ihren Wohnungen. Das zentrale Ereignis war das von morgens bis abends dauernde Fest mit Redebeiträgen, Gruppentarotlesungen, Filmen, Gedichtlesungen, Tänzerinnen, Musikerinnen und einem 24-köpfigen internationalen Frauenchor. 450 Frauen und Kinder nahmen an dem Fest teil. Eine Frau aus Chile, die unter Pinochet gefoltert und auch in London von seinen Anhängern überfallen worden war, erhielt donnernden Beifall, als sie beschrieb, wie sie anderthalb Jahre lang bei den täglichen Mahnwachen mitgearbeitet hatte, die Pinochet vor Gericht gebracht sehen wollten.

GHANA in Tema betonten ländliche Gemeinden die Arbeit und die Bedürfnisse von Frauen, die nicht lesen gelernt hatten. Sie marschierten mit Schulkindern, die für diesen Tag frei bekommen hatten, um ihre Solidarität mit ihren "kostbaren Müttern" auszudrücken. Sie trugen Plakate auf denen stand: "Frauen – Ihr müsst für Eure Opfer entschädigt werden" und "Liebste Mütter, wir werden Euch nicht mehr hintergehen".

GUYANA – in Georgetown veranstalteten Frauen eine multiethnische Mahnwache, um für Gewaltopfer Gerechtigkeit zu fordern. In Buxton gab es einen Workshop von Männern, die sich zur Unterstützung verpflichteten.

INDIA – Tausende von Landfrauen streikten gegen Haus- und Feldarbeit und forderten Lohn für jede Art von Arbeit und ein Recht auf Landbesitz. Frauen marschierten in Raipur, Ragard und Mahasmund. Hunderte reisten nach Bhopal und Delhi und konfrontierten Regierungsbeamte mit ihren Beschwerden und Forderungen.

IRELAND -- Margaretta D'Arcy und die berühmte Sängerin Mary Coughlin sendeten den Streiksong und die Forderungen über die meisten Radiosender. Um 11 Uhr stellten Frauen für 10 Minuten ihre Arbeit ein. In Galway besuchten afrikanische Asylbewerberinnen ein Fest im Rathaus. Frauen stellten Streikposten vor Dunne’s Store auf, um den Protest gegen Sweatshops auf den Philippinen zu unterstützen; und sie besetzten das Finanzamt und forderten Steuerrückzahlungen als Ausgleich für ihre unbezahlte Arbeit. Der Senat diskutierte über einen nationalen bezahlten Feiertag (National Paid Holiday).

ITALY -- Demonstration im Stadtzentrum von Rom.

MEXICO – Aktionen, die sich für die Selbstbestimmung der indigenen Frauen einsetzten, sowie für einen Rückzug des Militärs aus dem Chiapas, die Inkraftsetzung der Abkommen von San Andrés, und die Freilassung der inhaftierten Studenten; viele von ihnen sind Frauen.

NEUSEELAND – ein 'bad hair day’, "Lockenwicklertag" um Hausarbeit für Steuerzwecke anerkennen zu lassen.

NIGERIA – Frauen forderten eine Sonderunterstützung, die an stillende Mütter gezahlt werden soll, die Lohnarbeit verrichten.

PERU – Hausangestellte in Lima publizierten den Streik über ihr tägliches Radioprogramm Soncco Warmi (das bedeutet "das Herz der Frau" auf Quechua). 200 Hausangestellte mit Streikplakaten nahmen an der alljährlichen Demo zum Internationalen Tag der Frau teil.

PHILIPPINES – der Streik führte zu breitem Medieninteresse und Debatten über die Bezahlung von Hausarbeit. In Dörfern und Städten legten Frauen vorübergehend ihre Arbeit nieder.

SOUTH AFRICA – der Kongress der Südafrikanischen Gewerkschaften (Congress of South African Trade Unions, COSATU) sprach seine Unterstützung der Streikforderungen aus.

SPANIEN – um 12 Uhr streikten Frauen in Katalonien. In Barcelona sprachen Lesben, Kirchenfrauen, Immigrantinnen und Studentinnen zu Hunderten von Frauen auf dem Stadtplatz. Tausende nahmen an der Internationaler-Frauentag - Demo durch das Stadtzentrum teil; das Streikkontingent besetzte ein Kaufhaus, das seinen schlecht bezahlten Angestellten vorschreibt, dass sie schlank sein sollen. Putzfrauen, Studentinnen und Lehrerinnen in verschiedenen Fakultäten streikten. Berichte in allen wichtigen Nachrichtensendungen. Aktionen in Bilbao, Valencia, Zaragoza und anderen Städten. Eine Reihe von Frauenbuchläden schlossen.

UGANDA – um gegen ihre harte unbezahlte Arbeit und den Missbrauch ihrer Rechte zu protestieren, demonstrierten Frauen in Kaabong mit Krügen auf dem Kopf und Babys auf dem Rücken. Keine Frau durfte an diesem Tag irgend welche Arbeit tun.

USA – Die Los Angeles WFH marschierte gemeinsam mit der Hausmeister-Kampagne (Justice for Janitors campaign, vorwiegend lateinamerikanische Heimbetreuerinnen). Der Stadtrat von San Francisco unterstützte den Streik mit einer offiziellen Verlautbarung. In New York fand eine Pressekonferenz im Büro der Rechtsanwälte statt, die die Pinochetopfer vertreten. Die Philadelphia WFH, mit Unterstützung der Gewerkschaften, lancierten eine Petition für Lohngleichheit, die nun international verbreitet werden soll.

TRINIDAD & TOBAGO – Hausangestellte mit Streikplakaten und Flugblättern gesellten sich zu der Band gegen Gewalt gegen Frauen (Band Against Violence Against Women).

Payday Men's Network koordinierte die Unterstützung der Männer, sammelte Erklärungen und Spenden, organisierte Kinderbetreuung, Verpflegung, Videoaufnahmen, usw.

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